DDer beste Mann von allen...

Aus dem Leben einer Frau

Café am Meer

DAS CAFÉ AM MEER

Da meine heißgeliebte bessere Hälfte und ich gerade Hochzeitstag hatten, hier eine kleine Geschichte für euch.

Es war einmal in jener Zeit als wir noch Jahr für Jahr in die wunderschöne Toskana fuhren um Urlaub zu machen. Die Landschaft herrlich, ich schon seit Stunden am Steuer und allmählich todmüde. Kleine Anmerkung, mein Schatz gehört nicht nur zu dem seltenen Exemplar echter Münchner, nein, er gehört auch zu der noch selteneren Spezies, Mensch ohne Führerschein.

Mann: Ich hab Hunger.

Ich: Im Handschuhfach ist noch ein Apfel.

Mann: Ich mag keinen Apfel.

Kennt ihr das, wenn ein Mann ganz still wird und die Atmosphäre gemeinsam mit seinem Blutzuckerspiegel ins Bodenlose sinkt?

Ich säuselnd: Ich weiß da ein schönes Restaurant am Meer, dauert nur noch ein bisschen.

Mann knapp: Okay.

Ich fahre weiter. Die Stimmung wird zunehmend schlechter. Sein Hunger größer. Ich spüre wie ich vor seinen Augen allmählich zur Truthenne mutiere. Ich kenne meinen Mann. Die Situation entbehrt nicht einer gewissen Lebensgefahr. Endlich - der Ort mit dem Restaurant - nur, es ist exakt 15.00 Uhr und das Restaurant geschlossen.

Mann schaut. Ich säusle: So ein Glück, die Cafés sind offen und alle am Meeeeeer! Mann setzt sich schweigend. Ich lese ihm aus der Karte die ganze Litanei köstlich klingender Sandwiches vor. Ober kommt. Ich bestelle. Mann bestellt nicht.

Ich ratlos: Ich denke, du hast Hunger?

Mann: Ich esse nicht von Plastiktellern mit Plastikgabeln an einem Plastiktisch mit Plastikstühlen.

Ich säusle nicht mehr, ich werde sauer: Okay, es ist kein Fünf-Sterne-Restaurant, aber die Sandwichs schauen gut aus, und du hast Hunger. Ich esse hier nichts.

Die Stimmung wird noch mieser, ich bin die ganze Zeit Auto gefahren. Er hat nur die schöne Landschaft mit den Augen verfolgt. Ich denke an Scheidung. Ihm ist das egal, ich rede von Scheidung, er steht auf, geht. Kommt nicht wieder. Ich bekomme Angst, fürchte das Wort Scheidung habe ihn möglicherweise ins Meer getrieben. Er ist kein besonders guter Schwimmer.

Ich ihm hinterher, finde ihn nirgends, aus Sorge wird Befürchtung, ich bin Autorin, ich habe Phantasie, sehe ihn schon mit dem Kopf nach unten leblos am Strand. Spüre die große große Liebe zu ihm. Suche ihn weiter, überall, bin am Rand der Hysterie. Und. Wo. Finde. Ich. Ihn? Genau in dem Café, das er so vehement abgelehnt hat. Eine wunderschöne Italienerin belegt ihm das Sandwich ganz zauberhaft nach seinen Wünschen, knallt es auf einen Plastikteller, reicht ihm dazu ein Plastikbesteck. Sie lächelt. Er lächelt.

Und ich? Ich denke nicht mehr an Scheidung. Ich denke - am Besten bring ich ihn gleich um!

Eure

Nicole